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Axel Honneth:

Im Mittelpunkt des Gesprächs mit dem Philosophen und Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung steht die Frage nach dem Begriff und der Definition "Anerkennung" und inwieweit es einen "Kampf" um Anerkennung gibt.

Als Vertreter der sog. "Kritischen Theorie", die an der Frankfurter Schule mitentwickelt wurde, steht in seinem Interesse auch die Untersuchung dessen, "was vorgeht" in der Gesellschaft, der Wandel von Denkprozessen, die Deregulierung des Finanzmarktes, Strukturprozesse auf negative Effekte hin zu überprüfen etc. Als Beispiel nennt er die Finanzkrise, von der auch Deutschland betroffen war. Hier war die Appelation an verletzte gemeinsame Interessen Ausgangspunkt einer neuen politischen Gesinnung. Dies wurde durch eine Bewegung gegen die Verselbstständigung des Finanzkapitals initiiert.

Das gemeinsame Interesse ist hier die Verfügbarkeit von Kapital für jeden, denn jeder ist darauf angewiesen. So besteht gleichwohl schon durch das Vorhandensein von Kapital, das untereinander aufgeteilt werden muss, eine Abhängigkeit der menschlichen Wesen untereinander.

Den Begriff der Anerkennung dehnt Honneth noch weiter aus, indem er sagt, dass jedes Wesen nur durch eine gewisse Bestätigung durch andere existieren kann, die das, was man tut aufwerten und wertschätzen. Die konstative Abhängigkeit der menschlichen Wesen durch andere ist für die Existenz unerlässlich. Das Aufwärten und Bestätigen unserer Taten durch andere schreibt uns das Gefühl von Autorität zu, d.h. die Bestätigung dazu, dass wir  selbstständig fähig sind über anderes entscheiden zu können und Vorgänge oder Prozesse konstruktiv mit beeinflussen. Wahrnehmung und Bestätigung durch andere sind immer miteinander verknüpft. Der Kampf besteht jedoch nicht darin, etwas zu gewinnen, sondern darauf, die verletzte Würde/Ehre zurückzuerlangen. Es ist eine Reaktion auf zu Unrecht verletzte Würde, die zurückerlangt werden will.Vor allem das Grundmotiv verletzter Ehre ist häufig Anlass sozialer Bewegungen.

Honneth setzt den Begriff "Gerechtigkeit" nicht mit dem "Anerkennungsbegriff" gleich, er sei allenfalls neu formuliert.

Die Gesellschaft bezeichnet er als "krank", wobei er zwischen Pathologie und Ungerechtigkeit unterscheidet: Ungerechtigkeit sind  für ihn z. B. die direkten Missstände wie die ungerechte Einkommensverteilung bzw., all das, was auf falschem staatlichen basiert und hätte vermieden werden können.

Unter pathologisch fasst er zusammen, dass die Menschen heute immer mehr dahingehend konditioniert werden in juristischen Kategorien zu denken, die institutionell geschaffen wurden und Probleme alleine auf Basis der ihnen gesetzlich zugeschriebenen Rechte zu lösen versuchen und so versuchen Freiheit zu erlangen. Durch das Ausdehnen des Freiheitsbegriffs, indem man auf zwischenmenschlicher Ebene bei Problemen das Gespräch mit seinen Mitmenschen sucht und man wieder neu Anerkennung durch den jeweils anderen erlangt, können auch und oft viel effektiver Probleme gelöst werden. Dieser Teil des Freiheitsbegriffs bleibt in einer Gesellschaft, in der alle Mitglieder nur auf ihre rechtlichen Freiheiten hin konditioniert sind, leider viel zu oft außen vor.

Besonders der letzte Punkt, den Honneth anspricht, hat meine eigenen Wahrnehmungen, dass sich dieser zwischenmenschliche Aspekt immer mehr verbessert hat und viele jetzt anderen gegenüber z.B. ihre persönliche Pflichten wahrnehmen, verbessert, bestätigt.

Zu dieser Wahrnehmung gehört bei mir auch, dass die Menschen immer mehr kritisch den Sinn und die Konsequenzen von juristischen Gesetzen reflektieren und sich so bewusst je nach Situation auf die Lösung von Problemen mit zwischenmenschlichen Mitteln im Gespräch mit Mitmenschen berufen und so zu Lösung von Konflikten und Anerkennung durch andere gelangen, wenn es um eheliche Beziehungen geht etc.

Insgesamt spricht Honneth viele zentrale Punkte an, die auch ich so wahrnehme, so dass ich mich in vielem Gesagten wiedergefunden habe.

 

26.1.16 12:32, kommentieren

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Axel Honneth

 1. Zu besprechende Punkte:

 

- "durch einen"Kampf" der Subjekte um wechselseitige Anerkennung ihrer Identität ergibt sich innergesellschaftlicher Zwang zur praktisch-politischen Durchsetzung von freiheitsverbürgenden Institutionen" (S. 11)

-"Anspruch der Individuen auf intersubjektive Anerkennung ihrer Identität,der dem gesellschaftl. Leben von Anfang an als eine moralische Spannung innewohnt,... " (S. 11)

- "Die Menschen stehen von stetem Ehrgeiz getrieben,wechselseitig um die Egozentrik ihrer Interessenlagen wissend,einander ununterbrochen in einer Haltung des furchtsamen Misstrauens gegenüber." - "immerwährender Kampf um Selbsterhaltung" (S. 15)

- "menschliches Wesen mechanistisch in Art eines sich selbst bewegenden Automaten; Fähigkeit zur vorsorglichen Bemühung um sein zukünftiges Wohlergehen aus" (S. 16)

-"Naturzustandslehre" (S. 17)

- "Kampf der Subjekte um Selbsterhaltung"; letzter Bezugspkt. der theoret. Analyse; oberster Zweck politischer Praxis: jenen stets drohenden Konflikt immer wieder neu zum Stillstand zu bringen (S. 17)

- Tendenz der neuzeitlichen Sozialphilosophie (S. 18)

- "Naturrecht" (S. 21)

"Sein des Einzelnen kategorial als das "Erste und Höchste" vorausgesetzt"

- "isolierte Handlungsvollzüge von vereinzelten Individuen aufgefasst, zu denen Formen der Gemeinschaftsbildung dann wie von außen hinzugedacht werden müssen." (S. 22)

-"soziales Medium, in dem sich Integration von allg.und individueller Freiheit vollziehen soll- Sitten, Gebräuche, die innerhalb eines sozialen Gemeinwesens zur Anwendung kommen" (Hegel) - (S. 24)

- "sich wiederholende Negationen" (S. 27- 28)

- "System der Sittlichkeit" (S. 29+ 33)

- "Ehre ist die Haltung..." (S. 41)

 

2. wichtige, zu besprechende, aber nicht verständliche Punkte:

 - "Steigerung der Ichfähigkeit" (S. 51)

- "Stufentheorie" (S. 46)

- "absolute Sittlichkeit" (S. 46)

- "Akte der Destruktion" (S. 42)

- "Integrität" der eigenen Person" (S. 40)

- Begriff "Verbrechen" (S. 37)

- Etablierung von erstem Sozialverhalten: Vorgang der Herauslösung der Subjekte aus natürlichen Bestimmungen (S. 33)

- "wechelseitige Aufforderung zu freiem Handeln.." (S. 30)

- " unsittliche Anlagen, die Subjekt erst in sich zu unterdrücken lernen muss" (S. 22)

- "Naturrecht" (S. 21)

- "Überwindung der atomist. Irrtümer" (S. 21)

- "Tradition des neuzeitlichen Naturrechts" (S. 21)

- "..., denn durch die Einführung neer Handelsmethoden,..." (S. 12)

- "Feld des sozialen Handelns besteht in permanenten Kampf der Subjekte um die Erhaltung ihrer physischen Identität." (S. 15- 16)

 

 

17.12.15 19:50, kommentieren