Letztes Feedback

Meta





 

Der Text "Die Autoritätsbindung" von Heinrich Popitz beschäftigt sich mit dem Begriff der Autorität, ihrer Definition, auf welche Weise sie entsteht, d.h. wie eine Person Autorität erlangt und welche Auswirkung dies auf das Zusammenleben der Menschen in einer Gesellschaft hat.

Der Begriff "Autorität" umfasst zunächst alle Erfahrungen, Thesen und Emotionen einer Person. Diese bestimmen unseren Alltag und das Zusammenleben mit anderen Menschen. Der Begriff "Autorität" ist zudem gegenwärtig, d.h. ungebunden von zeitlichen Epochen etc. Auch ist er nicht ausschließlich gut oder schlecht.

Eine Person gelangt zu Autorität, indem sich andere Personen ihr unterordnen, entweder aus "bloßer Furcht", d.h., dass ihr z.B. bzgl. wirtschaftlicher Probleme eine besondere Begabung zur Findung von Lösungen der Probleme zugesprochen wird, oder aus Bewunderung, d.h. aus "freier Neigung", z.B., wenn die Person ein bestimmtes Prestige besitzt. In beiden Fällen wird der Autoritätsperson eine besondere Wertüberlegenheit der entspr. Autoritätsperson zugeschrieben. Es entsteht so eine Abhängigkeit zwischen der Autoritätsperson und dem Autoritätsabhängigen. Die Beziehungen und Handlungen des Autoritätsabhängigen verändern sich nun gegenüber der Autoritätsperson: sie reichen von blindem Gehorsam, liebend- hellsichtigen Unterordnen bis hin zum Umschlagen von emphatischer Bewunderung zu Hass.

In der entstandenen Beziehung zwischen der Autoritätsperson und dem Autoritätsabhängigen entsteht auch eine Einheit: der Autoritätsabhängige macht sich abhängig von dem Tun oder Unterlassen einer Autoritätsperson. Außerdem passt er sein Verhalten den Wünschen etc. der Autoritätsperson an, auch das, was er unbeobachtet tut. Zudem übernimmt der Autoritätsabhängige seine Einstellungen, d.h. Meinungen und Urteile der Autoritätsperson. Er kann somit seine eigenen Einstellungen zu denen der Autoritätsperson in Beziehung setzen und sie auf deren Grundlage bewerten und beurteilen, d.h. die Einstellungen können verglichen werden.

Autoritätspersonen besitzen ein höheres "Prestige", d.h. mehr Reichtum und Macht etc. Auf diese Weise entsteht eine Hierarchie oder ständische Ordnung- eine "höhere Superiorität" wird hingenommen.

Das Erlangen von Autorität prägt und entwickelt eine Persönlichkeit weiter. So kann sie selbstbewusster werden, denn mit der Zusprache von Autorität und Macht geht die Verpflichtung zum Handeln in der Öffentlichkeit einher. Eine solche Person muss das Verhalten der Öffentlichkeit bewerten und beurteilen etc. Die Reaktionen der "Unterlegenen" können Ehre, Hochachtung oder Zustimmung sein.

Autorität erlangen auch Personen, die über die Fähigkeit verfügen, durch ihr Verhalten dazu beizutragen, dass sich der Autoritätsabhängige sozial angenommen weiß (d.h. sich besser in die Gesellschaft integrieren kann etc.) und sich darüber gewiss sein kann. Dafür ist ein direktes Gefühl von Angenommensein auch in der Bindung zwischen Autoritätsperson bzw.- abhängigen entscheidend.

Das Streben danach, sozial anerkannt zu sein ist auch entscheidend für Selbstanerkennung und das Selbstwertgefühl, denn durch die Anerkennung in der Gesellschaft entsteht das Gefühl, selbst eine Bedeutung bzw. Stellung zu haben. Das Anerkennungsstreben erzeugt die Autoritätswirkung und bringt die Bindung an die Autoritätsperson hervor. Auch ist die Selbstanerkennung abhängig von der sozialen Anerkennung in der Gesellschaft.

Autorität ist in den meisten Gesellschaften institutionalisiert,d.h. sie ist strukturell vorgegeben, eine Verpflichtung. Die Regeln der Gesellschaft legen fest, wer als Autorität angesehen wird, wobei Werte wie das Prestige einer Person dafür bedeutend sein können. Wer Autorität besitzt setzt Maßstäbe in einer Gesellschaft und stellt neue Regeln auf.

Wie in allen menschlichen Beziehungen spielt die Produktivität der Vorstellungskraft, d.h., die geistige Fähigkeit, z.B. Urteile und Reaktionen auf ein bestimmtes Handen, richtig zu deuten und zu interpretieren, eine große Rolle. Durch Mimik, Gestik etc. wird für den Autoritätsabhängigen die Reaktion der Autoritätsperson interpretierbar.

Wenn der Autoritätsabhängige befürchtet, dass sein Handeln durch die Autoritätsperson auf eine Weise beurteilt wird, die sein Selbstwertgefühl verletzt, entwickelt er eigene Vorstellungen (Vorstellungswelten) darüber, wie er selbst sein Verhalten bewerten würde. Diese eigenen Einschätzungen beeinflussen die eigentlichen Befürchtungen oder Hoffnungen, die er bzgl. der Bewertung seines Handels durch die Autoritätsperson hat. Auf diese Weise kann es zu Fehlbewertungen, oder - interpretationen kommen, so dass Reaktionen der Autoritätsperson ganz anders interpretiert werden, als sie gemeint sind. Eine weitere Bedeutung von Vorstellungs -Realitäten, d.h. die eigentliche Fähigkeit, Handlungen zu interpretieren, zeigt die Entwicklung von Autoritätsbeziehungen. Ein Modell zeigt die Entwicklungsstufen von unvollständigen, vollständigen und latenten Autoritätsbindungen. Wenn es zur Anerkennung oder Anerkennungsentzug nur kommt, wenn die Bewertung einer Handlung durch dieAutoritätsperson vom Abhängigen so auch erwartet wurde, liegt eine unvollständige Bindung vor. Die Bindung wird vollkommen, wenn die von der Autoritätsperson vorgestellte Anerkennung oder Anerkennungsentzüge, sichmitdemfaktischenVollzug decken, oderihnersetzen.  In latenten Bindungen ist die Autoritätsperson real nicht mehrvorhanden,ihre Maßstäbe und Einstellungen wirken sich aber innerlich weiter auf das Handen des Autoritätsabhängigen aus. Erst wenn die Maßstäbe etc. der Autoritätsperson sich ganz verfestigt haben in der Vorstellung eines Abhängigen, liegt eine vollständige Bindung vor. Die Ersetzbarkeit der Realität durch Vorstellungen fesselt permanent.  Öffentliche Autorität verlangt, zum Richter über das Selbstwertgefühl anderer Leute zu werden. Wenn die Anerkennung vom Betroffenen erwartet bzw. faktisch vollzog Die höchste gesteigerte Autoritätsbindung ist die Fügung unter die Autorität Gottes. Die Anerkennungsbedingungen anderer werden ausgenutzt,um ihre Einstellung etc. zu beeinflussen,was zu "autoritärer Macht" führt. Das Geben und Nehmen von Anerkennungsbedingungen gehört zu den Methoden der Machtausübung.

 

20.10.15 22:12

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen