Letztes Feedback

Meta





 

Der behandelte Text "Autoritätsbedürfnisse- Wandel der sozialen Subjektivität" beschäftigt sich mit der Rolle und Position einer Person in einer Gesellschaft, die bestimmte Bedürfnisse hat, etwas zu gelten und von anderen anerkannt zu werden, z.B in einer bestimmten Position, in der sie in gewisser Weise Autorität über andere ausüben kann, indem sie eine höhere Stellung besitzt. Dies ist allein schon wichtig, um ein gewisses Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu haben. Sie wird Teil der Gesellschaft mit einer Aufgabe, indem sie die in ihr geltenden Normen und Kriterien erfüllt, die grundlegend sind für die Anerkennung durch die Mitglieder- dann ist sie zum sozialen Subjekt geworden.

In der Position in der Gesellschaft, d.h. zum Beispiel in ihrer beruflichen Stellung hat jede Person eine subjektive bzw. individuelle Wahrnehmung ihrer Fähigkeiten und Begabungen. Durch einen "Rückzug", z.B. Berufswechsel oder Wechsel der Position in seinem Berufsfeld, der allerdings gut geplant sein sollte, kann man Fähigkeiten und Begabungen in sich entdecken, von dessen Besitz man vorher nichts wusste ("Ich glaube, er hat in diesen letzten paar Monaten soldatische Eigenschaften in sich gefunden, von denen er keine Ahnung gehabt hatte. Er entdeckte das Geheimnis der Menschenführung im Kampf.", in "Autoritätsbedürfnisse. Der Wandel der sozialen Subjektivität", in: Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht, Tübingen 1992, S. 132, Z. 11-14). Und vielleicht auch eine andere Position, in der man in gewisser Weise Autorität über andere ausüben kann, wonach jede Person strebt. Dies alles geschieht allerdings nur durch Ausprobieren einer Aufgabe, für die man sich vorher nicht fähig hielt, durch Überwindung der Angst. In der neuen Position entdeckt man neue Fähigkeit und strebt danach von den Autoritätsabhängigen durch sein Tun anerkannt zu werden. Diese bringen ihm Achtung entgegen und vertrauen darauf, dass er sie berücksichtigt bzw. beachtet. Die Autoritätsstellung ist auch entscheidend für das Selbstwertgefühl und Selbstanerkennung, denn dadurch, dass andere einem Vertrauen in sein Tun und Anerkennung entgegenbringen, weiß man sich wertgeschätzt als jemand, der etwas zählt und wichtig ist für die Gesellschaft. Das Selbstwertgefühl wird beeinflusst durch die Beurteilung Anderer, die z.B. sein Handeln positiv oder negativ bewerten. Die Macht, die man besitzt beruht auf dem Ansehen durch andere. Die Autoritätsabhängigen übernehmen die Einstellungen etc. der Autoritätsperson, wobei sie so handeln, wie es die Autoritätsperson erwartet. Dies ist ein längerer Prozess in Bindungen zwischen Autoritätsperson und -abhängigen, der aber durch Anerkennung der Überlegenheit der Autoritätsperson typisch ist für soche Bindungen. Wer bewusst das Verhalten etc. der Autoritätsperson beeinflusst um Anerkennung zu erlangen, übt autoritative Macht aus.

In traditionalen Gesellschaften ist von vornherein festgelegt, z.B. bei der Gestaltung der Berufsfelder, in welcher Stellung autoritative Macht ausgeübt werden kann. 

In religiös geprägten Gesellschaften herrscht das Bild vor, dass Gott den Menschen Autorität zuspricht und den Auftrag gibt, Autorität auszuüben. Die Maßstäbe und Kriterien für richtiges Handeln werden von dem Göttlichen übernommen. Durch die Heilsgewissheit strebt man in christlich geprägten Gesellschaft nach der Anerkennung Gottes, dessen Maßstabe wichtig sind und Orientierung geben für richtiges Handeln, v.a. in schwierigen Situationen. So treten göttliche Allmacht und menschliche Ohnmacht in wechselseitge Beziehung. Der Mittler zwischen beidem ist der Priester. Dieses Prinzip ist auch auf Eltern- Kind- Beziehungen übertragbar, wobei die Eltern, die die religiösen Kriterien übernommen haben, diese als Maßstäbe in der Erziehung ihres Kindes setzen. Das Kind kann zunächst darauf keinen Einfluss ausüben. Eltern bringen durch ihre Erziehung dem Kind Maßstäbe der Gesellschaft bei in die es reingeboren wurde. Das Einfügung in die Familie gibt dem Kind die Gewissheit, anerkannt zu werden und Sicherheit bzw. soziale Zugehörigkeit. Diese generative Autorität ist auch auf das politische System übertragbar, indem man an Senate etc. denkt.

Dieser Topos des "Vaters" ist auch auf den "Vater Staat" bzw. "patria" (lt.:"Vaterland" übertragbar. Das politische System (meist Demokratie) bzw. die Regierung und die regierenden Parteien (in Deutschland zurzeit eine Regierung aus CDU/CSU und SPD, d.h. eine "Große Koalition" sollen das Land in einer Weise führen, die öffentliche und gesellschaftliche Probleme löst  und den Menschen soziale Absicherung gewährt bzw. gibt. Sie soll auch die Sicherheit geben, dass sozial gute Verhältnisse erhalten bleiben und eine gute Vermittlung leisten zw. Vergangenem und dem Gegenwärtigen bzw. dem, was sich verbessern soll. Bei dem Verfall bzw. der Lösung aus der Bindung der sozialen Haltung/ Absicherung, gegeben durch die patriarchaische Autorität und den auf ihr beruhenden sozialen Normen und Kriterien, muss der Sinn und die Kriterien und Normen sozial abgesichert zu sein, in eigenem Leben gefunden werden. Bei dieser Lösung aus einer auf sozialen Normen und Kriterien beruhenden Autoritätsbindung, gewinnt die persönliche Autorität an Bedeutung, die sich in persönlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen ausbildet. Die Bindungspartner sind dabei frei wählbar. Dennoch ist von vornherein absehbar, in welchem sozialen Umfeld oder Gesellschaftsebene sich eine Person seine Bezugsperson aussucht, denn die Entscheidung wird auch durch den sozialen Hintergrund, das soziale Umfeld, den Stand etc. bestimmt. Inwieweit das Anerkennungsstreben in solchen Beziehungen reicht, ist abhängig von der Persönlichkeit des Anderen, den Erfahrungen, Sympathien dem Partner gegenüber, die man mit ihm gemacht hat.

Insofern lässt sich festhalten, dass in einer institutionellen Autoritätsbeziehung die sozialen Normen und Kriterien gegeben sind und es da eher  um die Stellung und soziale Absicherung in einem best. gesellschaftlichen Umfeld, z.B. der Familie geht mit der Vorstellung des "Vaters" als Beschützer und Leiter der Gruppe, die persönliche Autorität hingegen zeichnet z.B. die relativ freie Wahl der Bezugspartner aus und entsteht durch zwischenmenschliche Beziehungen auch außerhalb eines sozial durch die Familie etc. festgelegten Gesellschaftsbereichs, wobei dies bei einer institutionellen Autoritätsbindung festgesetzt ist.

Jeder einzelne hat bestimmte Autoritätsbedürfnisse,wobei sich die Frage stellt, von wem und als was man anerkannt werden will- als bloßes Mitglied einer Gruppe, oder in einer best. beruflichen Stellung, wo es verschieden hohe Positionen gibt. Die Bezeichnung "soziale Subjektivität" ist eine Kombination aus "sozial" und "Subjekt" und bezeichnet u.a. die soziale Position, Stellung und Handlung einer Person in einer Gesellschaft, wobei jeder auf Anerkennung in einer Gesellschaft angewiesen ist um Selbstanerkennung und eine Stärkung des Selbstwertgefühls zu erfahren. Bei Erfüllung sozialer Normen und Kriterien und Anpassung an die spezif. Art und Weisen, wie in einer Gesellschaft Handlungen ausgeführt werden, wird man anerkannt und ist als Teil dieser in jeder Gruppe spezifischen Handlungsmuster zum sozialen Subjekt geworden und soziale Subjektivität hat sich herausgebildet. Wenn diese soziale Subjektivität und die Handlungsmuster in einer Gruppe nicht zusammenpassen kann die betreffende Person zum Außenseiter werden, oder in eine Außenseiterrolle gelagen.

Es lassen sich 5 Typen an Autoritätsbedürfnissen unterscheiden:

1. Das Bedürfniss anerkannt zu sein in der entspr. Gruppe, zu sein wie andere. Ob man in einer Gruppe dazugehört, wird durch die Bewertung und Beurteilung seines Handelns durch die übrigen Mitglieder deutlich. Dazuzugehören ist für die soziale Selbstbestätigung entscheidend. 

Soziale Zugehörigkeit ist daher nicht selbstverständlich, man muss Leistung erbringen, um sie zu erfüllen, z.B. an Gruppenaufgaben teilnehmen etc. 

Wenn jeder in der Gruppe Autorität ausübt, achtet jeder auf die Aufnahme auch nur derer, die die  in der Gruppe geltenden Regeln und Normen befolgen ("Die Entscheidung über Zugehörigkeiten kann aber auch bei der Gruppe als Ganzes liegen. Dann übt die "Gruppe als Ganzes" Autorität aus, genauer: alle und jeder. Alle, indem sie mitwirken an einer gemeinsamen Stimmung des Vertrauens oder des Misstrauens gegenüber einem Mitglied, auch wohl an gemeinsamen Verdikten.", in: "Autoritätsbedürfnisse. Wandel der sozialen Subjektivität.", in: Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht, Tübingen 1992, S. 142, Z. 4- 10.). Jeder übt Kontrolle über den anderen aus und hat Autorität.

2. Das Bedürfnis, in der zugeschriebenen Position/Aufgabe von den anderen wertgeschätzt bzw. anerkannt zu werden. Gewisse Merkmale einer Person (d.h. gew. Alter, Geschlecht etc.) legen z.B. bei der Berufswahl oder Position in einem Beruf fest, welche Aufgaben und Positionen man erfüllen /machen kann, was auch einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl ausübt. In dieser Aufgabe hat jeder ein best. Anerkennungsstreben und Streben nach Bestätigung. Bzgl. der kritischen Bezugsperson kann noch zw. Rollenpartner und Rollengleichen unterschieden werden, wobei bei Rollenpartnern, z.B. in einer Familie hinreichende strukt. Verknüpfungen und Gruppenmerkmale bestehen, die bei Rollengleichen (z.B. Peergroups) sich selbst zugeschrieben werden und einer gewissen Bewährung bedürfen. Das Herausbilden einer best. Gruppe wird durch den Bedarf nach Autorität bestimmt.

3. Das Streben danach in der Berufsrolle, wobei hier die Anerkennung durch andere auf der Tüchtigkeit einer Aufgabe gerecht zu werden bzw. dem erreichten Erfolg des Rollenerwerbs und der Weiterentwicklung (z.B. beruflich) beruht. Während früher der Erwerb einer Berufsrolle vom berufl. Stand etc. abhing, konnte man bald zum Aufstieg gelangen und durch Karriere reicher werden. Seit der bürgerlichen Leistungsgesellschaft (19.Jh.) stieg das Anerkennungsstreben auf den persönl. Qualifizierten, je höher dessen Berufsstand war und auch der Anerkennungswert zw. z.B. Herr und Herrscher. Die persönliche Autorität verstärkt sich mit der entspr. Erwerbsrolle.

4. Das Streben nach Anerkennung in der öffentlichen Rolle, d.h. die Anerkennung durch ein Publikum. Diese Anerkennung beruht auf einer für das Publikum sichtbaren erbrachten Leistung, worauf Zustimmung bzw. Ablehnung basieren. Übertragen auf das politische Milieu bedeutet dies, dass ein Publikum aus bestimmten Herrschaftsmöglichkeiten auswählen kann, die in Konkurrenz zueinander stehen. In Demokratien, in denen eine bestimmte Koalition aus meist zwei Parteien das Land regieren, ist die Akklamation des Volkes zu dieser Koalition entscheidend vom Wirken der Regierung und vom Führer (in Deutschland: Bundeskanzler) abhängig, der durch sein Tun und Auftritt, Ausstrahlung, den Redeerfolg etc. die Entscheidung des Volkes für oder gegen ihn bzw. seine Partei bei Wahlen mit beeinflusst. Alles ist veränderbar, somit auch die Entscheidung des Volkes. Durch die vielfältigen Manipulationsmöglichkeiten des Akteurs, kann Zustimmung und Ablehnung durch das Publikum beeinflusst werden.

5. Streben nach sozialer Anerkennung der eigenen Individualität, d.h. das Streben danach als etwas Besonderes in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Besonders durch Migration und der Konfrontation mit Migranten, hebt diese Einzigartigkeit hervor.

Innerhalb der 5 Typen gibt es bzgl. der geschichtlichen Sequenz 2 durchgehende Tendenzen:

Mit der Entstehung der späteren Typen sozialer Subjektivität werden frühere nicht verdrängt, aber die Anerkennungserwartungen einer Person und die Anerkennungsangebote in einer Gesellschaft weiter, d.h. das jedes einzelne Individuum in immer größeren Rahmen nach Anerkennung strebt, d.h. nach Anerkennung sucht in seiner öffentlichen Rolle, d.h. Position (berufl. gesehen etc.), in seiner sozialen Individualität nach besonderer Anerkennung seiner Persönlichkeit, die sich bei jedem Individuum von anderen unterscheidet durch Merkmale, man will anders sein als andere, auch um ein gestärktes Selbstbewusstsein zu erlangen etc.). Gleichzeitig haben sich auch die gesellschaftlichen Angebote weiterentwickelt, d.h. man hat z.B. in seiner beruflichen Position die Möglichkeit, sich beruflich fort zu entwickeln und Karriere zu machen, wobei durch höhere Stellungen die man erreichen kann, wieder neue oder größere Autorität erreichen kann. Die vielfältige Pluralität sozialer Subjektivität, d.h. dass man als soziales Subjekt verschiedene Rollen in einer Gesellschaft wahrnehmen kann, ist allein schon durch die Gewissheit der Zugehörigkeit zu einer Familie selbstverständlich. Man hat das Recht und die Chance zu beruflichem Erfolg und Weiterentwicklung in einer Gesellschaft. Durch die Bewährung in öffentlichen Rollen und die kritische Beurteilung des Handelns durch die Öffentlichkeit erhält die Individualität, d.h. die eigene Persönlichkeit, einen Sinn und die Existenz wird entscheidend. Für all dies und um anerkannt zu werden, muss man den Ansprüchen einer Gesellschaft gerecht werden. Der Wille als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden wird zunehmend wichtiger als etwas entscheidendes für die soziale Bestätigung und das Selbstwertgefühl, d.h. zu wissen, dass man als Teil der Gesellschaft wichtig ist und in seiner Rolle auch Bedeutung hat.

Die Individualität entwickelt sich im Rahmen der Individuation, wobei das Ziel ist, zu einer Ganzheit der Individualität zu gelangen, d.h. zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Die Konstellation aller Eigenarten einer Person bildet die "Persönlichkeit" an sich. Die soziale Rollen, in denen man steckt, definieren, wie die Bewährung auszusehen hat. Die Individualitätsmuster, d.h. die Merkmale, die eine Individualität auszeichnen, verbrauchen sich durch die Übernahme anderer, wobei es zur Standardisierung kommen kann.

Bei Eltern- Kind- Beziehungen nehmen die Eltern immer weniger ihre Rolle als Erzieher war und nehmen an, dass die Individualität des Kindes selbstverständlich ist. Eltern empfinden die Achtung der Kinder als Kriterium, dass sie sich selbst bewährt haben. Der Entzug der Anerkennung durch das Kind bedroht das Selbstwertgefühl, da sie sich nun fragen, ob sie eine wichtige Bezugsperson für das Kind darstellen ("Ein Anerkennungsentzug des Kindes bedroht ihr Selbstwertgefühl. Das Kind wird für sie zur Autorität. So können auch hier Autoritätsbeziehungen auf Gegenseitigkeit entstehen.", in: Autoritätsbedürfnisse. Wandel der sozialen Subjektivität", in: Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht, Tübingen 1992, S. 156, Z. 5- 8.). 

In kleinen Gruppen können sich Autoritätsformen bilden, die der Selbstfindung und einem Gefühl der Zugehörigkeit etc. dienen. Dies entsteht durch wechselseitige Hilfe und Anerkennung, die außerhalb der Gruppe nicht gegeben sind.

Es lässt sich also festhalten, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzenten eine soziale Subjektivität gebildet hat, mit immer weitergehenden Autoritätsbedürfnissen und Ansprüchen, als soziales Subjekt anerkannt zu werden.

 

 

 

 

24.10.15 18:19

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen